Freitag, 25. Februar 2011

Mitunter faulig aufgeheitert


Noch einmal zurück zu Rotorua. Wir waren schon mal im Januar-Regen hier, als wir schnell in den Süden flohen. Schon damals kamen wir an einigen dampfenden Quellen vorbei, die einen unverwechselbaren Geruch ausstießen. Schwefel, Schwefelwasserstoff, faulige Eier. Rottenrua (rotten = faulig, verfault), spotten manche Kiwis. Jetzt ist das Wetter besser, nur ein wenig bedeckt. Doch das macht die Luft nicht besser. Wenn die Wolken auf die Stadt drücken, fährt man immer wieder unvermutet durch „Duftwolken“ ohne unmittelbar an sichtbaren Quellen vorbei zu kommen. Die ganze Stadt sitzt auf einem brodelnden Schwefeltopf und nützt das als Heilbad und Ausflugsziel.


Wir besuchen Te Puia, eine Mischung aus Folklore-, Kunsthandwerks- und Naturkunde-Zentrum, das vom örtlichen Maori-Stamm betrieben wird. 


Als erstes bekommen wir eine Tanzvorführung. Einer der Besucher, wird zum "Chief" (Oberhaupt) der Gäste erklärt und dann von einem Krieger herausgefordert, mit Drohgebärden und Lanzenschwingen. Dann folgen Lieder, Tänze, der unvermeidliche Haka mit Zunge raus und allem. 


Alles sehr schön und professionell aufgezogen. Trotzdem sind wir froh, dass wir neulich in Napier die Maori-Tanztruppe abends unter sich erleben durften, das wirkte echter und ging mehr zu Herzen.
Anschließend führt ein junger Maori durch die staatliche Schnitzkunst- und Web-Schule. 


Wir sehen lebende Kiwis (die Vögel) im Nachthaus von Te Puia und sehen brodelnde, stinkenden Schlammgruben mitten in der Stadt und Meter hoch spuckende Geysiere. 


Der junge Führer erzählt, wie die Maori die Schätze der Natur nutzten und erinnert uns mit Hinweis auf die Katastrophe von Christchurch noch einmal daran, wie zerbrechlich das Gleichgewicht der Erde ist. Im Shop kann man Rotorua Schlamm für Gesichtspackungen kaufen, und es riecht noch immer. 


In den Government Gardens im alten Stadtzentrum kann man noch die vergangene Pracht des alten Heilbades sehen. Auf dem Rasen vor dem Badehaus im Tudorstil spielen ältere Herrschaften Bowling und unserem Oma-Spiel Crocket ähnelt. 


Abends beim Essen geht ein Platzregen nieder. Bei uns würde man sich über die frische Luft nach einem Sommerregen freuen. Hier ganz anders, die Wolken drücken auf die Sadt, jetzt weht wieder fauliger Schwefelduft herüber.

Mittwoch, 23. Februar 2011

Es brodelt und blubbert


Nach einer Nacht am Lake Taupo, den wir nicht wirklich wahrgenommen haben, weil wir im Thermal-Bad (unter freiem Himmel) neben dem Camping-Platz regelrecht versunken sind, sind wir heute nach Rotorua weiter gefahren.
Die Gegend um Rotorua ist bekannt für die vielen Geysire und heiße Quellen, die man schon von der Straße überall dampfen sieht.

Erster Stopp: Die Craters of the Moon („Mondkrater“) gleich außerhalb von Taupo. 

Ein lehrreiches geothermisches Feld, unterhalten von einigen ehrenamtlichen Helfern. Zuerst sieht man nur viel Buschland mit einigen kleineren Rauchwolken. Doch wenn man erstmal auf den Plankenwegen unterwegs ist, raucht es überall von rechts und links. Unter Büschen, aus qualmenden Löchern im Boden, aus dünnen, unscheinbaren Erdspalten. 


Es ist heiß. Die Sonne brennt von oben, der Boden unter uns brodelt und überall riecht es nach Schwefel. Eine Infotafel klärt auf, wer hier die Überlebenskünstler sind: Bei 50 Grad verbrennt man sich die Haut, bei 70 Grad gedeihen noch Farne und kleinere Pflanzen, 90 Grad vertragen Moose und Flechten. Bei 100 Grad kocht das Wasser, 140 Grad heiß ist der Dampf, der aus der Erde dringt.


Zweiter Stopp: Orakei Korako.


Mit einem Boot fahren wir auf eine Halbinsel, wo wir noch mehr über die Kräfte der Erde staunen. Schwefelgelbe Ablagerungen, wo heißes Wasser aus der Erde sprudelt. Geysiere, die unregelmäßig Wasser in die Höhe schleudern, Kalksteinterassen, glucksende, Blasen werfende Schlammlöcher – und viel, viel Qualm, der mal „nach Silvester riecht“ (Min-Oh), mal mehr nach fauligen Eiern. 


Beim Anblick der brodelnden Schlammkrater wird einem wieder einmal bewusst, was Mutter Erde eigentlich ist. 


Nicht Nationalparks, Botanische Gärten, Stauseen oder dergleichen. Wie schon in Pupu Springs, wo das reinste Wasser der Welt entspringt, stehem wir fast ehrfürchtig vor den heißen Quellen. Das klingt vielleicht albern und pathetisch. Aber wann erleben wir Natur so ursprünglich, so gewaltig? Nicht im kleinen Park vor unserem Haus.

Dienstag, 22. Februar 2011

Erdbeben in Christchurch

Uns geht es gut. Als wir heute in Taupo am Campingplatz ankamen, ueberraschte uns die Nachricht vom Erdbeben in Christchurch.
Wir sind selbst sehr erschrocken, angesichts der schrecklichen Fernsehbilder. Einiges, was wir in Christchurch sehen konnten, ist einfach weg.
Wir beten und und hoffen fuer die Betroffenen.

Montag, 21. Februar 2011

Unter Tölpeln


Wenn die Oldtimer abgefahren sind, versinkt Napier wieder im Dornröschen-Schlaf. Viel Wein und Obst werden hier an der Hawke’s Bay angebaut, das war’s dann schon mit den Attraktionen. Wären da nicht die Gannets. Großartige Seeflieger, mit einem ausnehmend schönen Federkleid und einer Augenparty wie mit Kajal nachgezogen. Die Deutschen haben diesem eigentlich sehr eleganten Vogel den merkwürdigen Namen Basstölpel gegeben.
Draußen am Cape Kidnappers (Entführer-Kap), das seinen Namen bekam, weil Maori dort das Schiff des britischen Entdeckers Cook überfielen und den tahitianischen Schiffsjungen entführten, lebt eine der größten Gannet-Kolonien Neuseelands. Und wir haben ja schon gemerkt, wenn Kiwis den Tourismus organisieren, wird daraus ein professioneller Spaß. Wir fahren also zum Startpunkt und dort warten drei Traktoren mit Anhängern auf die Touristen. Damit rumpeln wir bei einsetzender Ebbe die neun Kilometer am Strand unterhalb der Steilklippen entlang bis zum eigentlichen Klippenweg zu den Tölpeln. 


Immer wieder unterbrochen von kleinen Stopps mit Hinweisen zur Erdgeschichte (hier eine Gesteinsschichtung, da eine Erdbebenverwerfung). 


Hin und wieder müssen die Fahrer ein paar neu heruntergepolterte Felsen mit Pickeln zerkleinern, um den Weg freizumachen, oder die Fahrgäste mit kleinen Ausflügen ins Wasser auflockern. Kurz vor dem Kap geht es dann zu Fuß weiter. Nicht weit aber steil bergauf. 


Hätten wir das vorher gewusst, hätten die wir die Babykraxe mitgenommen. So muss Papa die lauffaule Tochter schultern. Oben auf den Klippen wartet dafür eine riesige Vogelkolonie auf die Besucher. Und die Tiere lassen die Menschen praktisch auf Armlänge heran. 


Das ist das Gute an den Gannets, sie leben ortsfest und kehren immer wieder zu ihrem Brutfelsen zurück. Sie wissen also aus jahrelanger Erfahrung, dass wir ihnen nichts tun. Der Anblick ist atemberaubend, nicht nur wegen des Geruchs nach Vogelkacke. Die Tiere sitzen auf der Klippe, stürzen sich zum Fischen steil in die Tiefe oder landen in langen schnellen Anflügen elegant zwischen ihren Artgenossen. Die Jungen werden hingebungsvoll geputzt und die Vogelpartner umarmen sich mit ihren Flügeln regelrecht zur Begrüßung. Irgendwie sehr menschlich.